EU-Emissionshandelssystem Preis

Die Wirksamkeit des Emissionshandels im Hinblick auf das Ziel, langfristige Investitionen in klimafreundliche Technologien zu stimulieren, ist derzeit aufgrund eines sehr niedrigen Zertifikatspreis, ausgelöst durch ein Überangebot an Zertifikaten, nicht gegeben. Bis müsste dieser Preis noch deutlich steigen. Letztlich verweise auch dieses Argument nicht auf ein Versagen des Instrumentes Emissionshandel selbst, sondern auf einen politisch zu hoch gesetzten Cap.

Die Ursache für den Preisverfall ist weitgehend unbekannt. Die Rezession in den EU-Staaten sowie der Ausbau der Erneuerbaren Energien wurde häufig als Hauptgrund vermutet, wurde aber mittlerweile widerlegt. In Phase I mussten die Nationalstaaten 95 Prozent der Zertifikate kostenlos abgeben. Fünf Prozent konnten versteigert werden.

Nur wenige Mitgliedstaaten nutzten ihren Spielraum. Somit wurden fast alle Emissionsberechtigungen verschenkt. Phase I stand unter dem Zeichen einer massiven Überallokation an Berechtigungen. Insgesamt wurden etwa 2. Tatsächlich wurden aber nur 2. Nachdem Ende April bekannt wurde, dass die französischen Unternehmen im Jahr knapp 12 Prozent weniger Kohlendioxid emittierten als sie eigentlich dürften, brach der Preis der Emissionshandelszertifikate vom historischen Höchstwert von 30 Euro auf 9,13 Euro ein siehe Grafik. Der kontinuierliche Preisverfall zum Ende des Jahres ist darauf zurückzuführen, dass die Zertifikate nicht in die nächste Periode mitgenommen werden konnten.

Entsprechend näherte sich ihr Wert gegen Null. Um den Erfolg des Emissionshandelssystems einschätzen und bewerten zu können, reicht ein einfacher Vergleich von Zertifikate-Zuteilung und tatsächlichen Emissionen nicht aus. Werden den Treibhausgasverursachern mehr Emissionsberechtigungen zugeteilt als diese brauchen, könnte das einerseits auf eine zu hoch angesetzte Begrenzung der Zertifikate Überallokation , jedoch genauso gut auf unerwartete Einsparungen von Seiten der Industrie hindeuten.

Umweltökonomen des Massachusetts Institute of Technology schätzen die Reduzierung von CO 2 -äquivalenten Emissionen als Folge der Einrichtung des EU-Emissionshandels in den Jahren und auf 50 bis Mio. Tonnen pro Jahr. Dies würde immerhin zwischen 2,5 und 5 Prozent der gesamten Emissionen im EU-Emissionshandelssektor entsprechen.

Das Ergebnis deutet eher auf unerwartete Ersparnisse vonseiten der Industrie hin, was einem — zumindest kleinen — Erfolg des Emissionshandels in dieser Phase gleichkommt. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass einige der zugrunde gelegten Daten Emissionen der Jahre bis , die auch für die Erstellung der nationalen Allokationspläne verwendet wurden nicht sehr verlässlich sind, da sie von der Industrie und unter Zeitdruck zur Verfügung gestellt wurden. Forscher der Katholischen Universität Löwen kommen zum Ergebnis, dass durch den EU-Emissionshandel alleine im Bereich der Stromproduktion im Jahr 88 Millionen Tonnen Kohlendioxid und im Jahr rund 59 Millionen Tonnen eingespart werden konnten.

Deutschland zeichnet demnach für 35,3 Millionen Tonnen bzw. Laut Studienautoren ist dies auf den überproportional hohen Anteil von Strom aus Kohlekraftwerken zurückzuführen, welche vom Emissionshandel besonders betroffen sind. Laut Berechnungen der Europäischen Kommission Stand Oktober lagen die Treibhausgasemissionen der EU ETS und Nicht-ETS-Sektor im Jahr um 2,7 Prozent unter dem Ausgangswert von , und das obwohl die Wirtschaft dieser Länder im selben Zeitraum um 40 Prozent wuchs. Die Emissionen der EU fielen demnach um 10,8 Prozent unter den Basiswert. Laut eigenen Prognosen wird die EU ihr selbst gestecktes Ziel siehe Abschnitt Hintergrund und Entstehungsgeschichte somit voraussichtlich erreichen oder sogar übertreffen.

Die zweite Phase lief von bis und fiel damit mit der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls zusammen, auf die sich die Emissionsziele beziehen. Die neu der EU beigetretenen Staaten Rumänien und Bulgarien nehmen nun genauso teil wie die EWR -Staaten Liechtenstein, Island und Norwegen. Nach Genehmigung der 27 nationalen Allokationspläne durch die EU-Kommission stehen seit nur mehr Emissionsberechtigungen für 2,08 Mrd. Dies entspricht lediglich einer Unterausstattung von 40 Mio. Im Gegensatz zur ersten Handelsperiode können fehlende CO 2 -Emissionsberechtigungen auch durch Emissionsreduzierungen in Drittländern, aus sogenannten Clean Development Mechanism CDM oder Joint-Implementation -Projekten JI ausgeglichen werden.

Einerseits sollen dadurch die Kosten der Emissionsverringerung möglichst niedrig gehalten werden. Andererseits soll der Transfer von Geld und Technologie den Entwicklungsländern eine ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Die zulässige Höhe der so ausgeglichenen Emissionen kann jeder Staat eigenständig festlegen; in Deutschland wurde sie auf 22 Prozent der jeder einzelnen Anlage zugeteilten Emissionszertifikate begrenzt.

Bezüglich der Allokation der Zertifikate haben die Länder in ihren NAPs mehr Freiheiten: Sie können bis zu zehn Prozent ihrer Zertifikate versteigern. Deutschland verkauft momentan 8,8 Prozent der Zertifikate über die Börse. Mit der am April von der EU beschlossenen dritten Handelsphase wurden weitere klimawirksame Stoffe in den Emissionshandel einbezogen, darunter Lachgas und vollhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe.

Es gibt allerdings Ausnahmen für energieintensive und exportorientierte Unternehmen. Die Regelungen zur Vergabe der Zertifikate erfuhren wesentliche Veränderungen. Diese betrug im Jahr 2,08 Mrd. Die Betreiber dieser Kraftwerke erhielten zu Beginn noch bis zu 70 Prozent der Zertifikate gratis, müssen diese jedoch spätestens ebenfalls zur Gänze ersteigern.

Darüber hinaus kam es zu einer Neuregelung der Vergabe von Gratiszertifikaten. Jene Zertifikate, die weiterhin kostenfrei bleiben, werden nicht mehr nach dem Grandfathering die Orientierung an historischen Emissionen der Anlage vergeben, sondern nach dem Prinzip der besten verfügbaren Technologie best available technology , BAT, Orientierung am technischen Standard der Anlagenklasse als Benchmark. Ausgangspunkt für die Festlegung der Benchmarks ist die Durchschnittsleistung der zehn Prozent effizientesten Anlagen eines Sektors bzw.

Teilsektors in der Gemeinschaft in den Jahren und Die Einnahmen in Höhe eines hohen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrages werden zum Teil an die Mitgliedstaaten ausgeschüttet, zum Teil einen Klimafonds speisen. Reiche EU-Staaten müssen 12 Prozent der ihnen zustehenden Emissionsrechte an ärmere Staaten abgeben, um deren Kosten durch den Emissionshandel abzufedern.

Preise für CO2-Zertifikate steigen

Juli stimmte das Europäische Parlament für eine Verknappung der Zertifikate, um ihren weiteren Preisverfall zu verhindern siehe Abschnitt Zertifikateüberschuss und Preisverfall. Zertifikaten sollte von den Jahren — in die Jahre und verschoben werden. Nach der Entscheidung stiegen die Preise moderat, lagen aber bis immer noch deutlich unter der politischen Zielmarke. Januar zu wirken begann: Die Millionen Zertifikate aus dem Backloading wurden aus dem Markt genommen und in eine neu gebildete Reserve überführt. Auch alle nicht zugeteilten Zertifikate, zum Beispiel Reste aus Versteigerungen, werden seit in diese Reserve übernommen.

Die Regelung definiert zudem einen Korridor von — Mio. Zertifikaten, die jährlich im Umlauf sein sollen. Zertifikate ab bis zu Mio. Im Juli wurde durch die Europäische Kommission ein Vorschlag für die 4. Handelsperiode vorgelegt. Dieser Reduktionsfaktor soll frühestens angepasst werden. Ab greifen Änderungen der Marktstabilitätsreserve: Sind weniger als Mio.

Zertifikate im Umlauf, werden Mio. Sind mehr als Mio. Die Reserve wird zudem auf das Zertifikatvolumen der Vorjahresversteigerung beschränkt, alle übrigen Zertifikate werden ungültig. Am Dezember einigten sich die EU-Umweltminister, ab auch den Luftverkehr in den EU-Emissionsrechtehandel einzubeziehen.

Emissionshandel oder CO2-Preise? Eine Analyse

Damit sollten alle Fluglinien, die in der EU starten oder landen, in Zukunft unabhängig von ihrer Herkunft Emissionszertifikate kaufen — auch für Interkontinentalflüge. Der Preis eines Tickets für einen Hin- und Rückflug innerhalb der EU werde dadurch um bis zu neun Euro teurer werden, ergab eine Studie der EU-Kommission. Bei Langstrecken-Flügen sei mit Preiserhöhungen von bis zu 40 Euro zu rechnen.


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Im Gegensatz zu den Industrie- und Stromunternehmen gibt es für den Flugverkehr keine NAPs. Stattdessen werden die Zertifikate direkt durch die Kommission verteilt. Das Europäische Parlament war in den Verhandlungen als Verfechter strengerer Regeln aufgetreten. Indien , Russland , die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China verboten teilweise ihren Fluggesellschaften, sich den Regeln zu unterwerfen; so untersagte die Volksrepublik China den in ihrem Land registrierten Fluggesellschaften, Geldmittel für die Zertifikate aufzuwenden.

Dezember die Vorgehensweise der EU und wies Klagen von US-Fluggesellschaften zurück. November setzte die EU-Kommission die Verpflichtung für die Abgabe von Treibhausgaszertifikaten für Flüge über die EU-Grenzen für ein Jahr bis zur Konferenz der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO aus. Seitdem werden nur Flüge innerhalb der EU vom Emissionshandel erfasst, das sind rund 40 Prozent aller in der EU startenden oder landenden Flüge.

Im Oktober einigte sich die ICAO auf einen Fahrplan für ein weltweites Klimaschutzabkommen im Luftverkehr. Bis will sie ein marktbasiertes System zur Emissionsbegrenzung entwickeln, das in Kraft treten soll. Ausgehend von dem dann erreichten Niveau sollen die Luftfahrt-Emissionen fortan nur noch CO 2 -neutral wachsen.

Zudem soll es Erleichterungen für Entwicklungsländer und für Staaten mit schwieriger Wirtschaftslage geben. Flüge zwischen EU- und Nicht-EU-Flughäfen in den EU-Emissionshandel einzubeziehen lehnte die ICAO-Vollversammlung ab. Jährlich werden etwa 2 Mrd. Zertifikate benötigt. Dadurch, dass pro Jahr ca. Zertifikate mehr ausgegeben werden als strukturell benötigt werden und zugleich nur 40 bis 50 Mio. Tonnen Zertifikate pro Jahr gelöscht werden, existiert ein Zertifikateüberschuss, der derzeit weiter ansteigt. Mit Stand Februar ist ein Überschuss von ca.

CO₂-Preis in Europa auf dem Weg nach oben – klimareporter°

Trotz des niedrigen Preises konnte für Deutschland nachgewiesen werden, dass nicht vom Zertifikatezwang befreite Firmen ihre Emissionen schneller senkten als der Durchschnitt, ohne Arbeitsplätze oder Exporte zu verlieren. Nach Ansicht des ifo-Instituts vom Februar senken die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG in Deutschland bei der Stromerzeugung vermiedenen Emissionen die Nachfrage nach Emissionshandelszertifikaten und damit deren Preis in Europa.

Der niedrigere Preis würde fossile Energien billiger machen und so in Ländern ohne vergleichbare Förderungen die Investitionen in fossile Energiegewinnung lenken. Die Kohle- und Gaskraftwerke stünden dann eben in Polen oder Italien, während Solaranlagen in der Estremadura verhindert würden. Durch die Kollision mit dem EEG könne der EU-Emissionshandel daher seine Aufgabe, die Emissionen zu den geringst möglichen volkswirtschaftlichen Kosten zu senken, nicht erfüllen.

Das deutsche Umweltbundesamt drängte auf stärkere Anreize für den Klimaschutz durch den Emissionshandel und eine entsprechende Anpassung des Zertifikatebudgets.

Carbon Countdown: Prices and Politics in the EU-ETS

Nur so gebe es für Energiesektor und Industrie genug Anreiz, mehr in den Klimaschutz zu investieren. Insgesamt müsse das Europäische Klimaschutzziel von 20 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden. Bedenklich sei zudem, dass die Emissionen aus dem Verkehrsbereich steigen, die nicht im Emissionshandel einbezogen sind.

Darin fordern Alstom , EnBW , E. ON , Otto , Puma , Shell und Germanwatch mehr Sicherheit für Klimaschutzinvestitionen der Wirtschaft. Ebenfalls wurde eine Umfrage des Instituts TNS Emnid veröffentlicht, der zufolge sich 73 Prozent der Deutschen dafür aussprechen, dass die EU ihr Emissionsziel für von den niedrigen 20 auf 30 Prozent unter dem Niveau von anhebt. Polen war der wichtigste Blockierer höherer Klimaziele. Nach Schätzungen des Instituts könnte der kumulierte Überschuss bis auf 2,6 Milliarden Tonnen ansteigen.

Damit der Emissionshandel seine Lenkungswirkung erfüllen kann, müsse der Zertifikatsüberschuss dauerhaft abgebaut werden. Eine Analyse des Instituts zeige, dass ein Teil des Überschusses durch die Hedging-Nachfrage von Stromerzeugern absorbiert werden könne. Der verbleibende Überschuss könnte durch die von der EU-Kommission vorgeschlagene Verschiebung von Zertifikatsversteigerungen Backloading innerhalb der laufenden Handelsperiode reduziert werden.

CO2-Steuer: mehr Preisstabilität und Sozialverträglichkeit

Zugleich sei ein Konsultationsprozess für eine strukturelle Reform des Emissionshandels eingeleitet worden. Andernfalls stehe die Glaubwürdigkeit der europäischen Klimapolitik auf dem Spiel. Die Preisentwicklung im EU-Emissionshandel begünstigte nach Ansicht der Agentur für Erneuerbare Energien vom Juni die Stromerzeugung aus Kohle zu Lasten flexibler Gaskraftwerke. Das konterkariere die Klimaschutz- und Energiewende-Ziele der EU und der deutschen Bundesregierung. Angesichts niedriger CO 2 -Preise verschlechtere sich die Wettbewerbsfähigkeit von Erdgas- gegenüber Kohlekraftwerken und die Auslastung von Gaskraftwerken nehme ab.

Mit Einführung der beschlossenen Marktstabilitätsreserve, die seit greift siehe Abschnitt Backloading und Marktstabilitätsreserve versuchte die EU, die Preise zu stabilisieren und auf ein wirksames Niveau zu erhöhen. Im November sprach sich der Chefvolkswirt des Potsdamer Instituts für Klimaforschung, Ottmar Edenhofer, für die Einführung von Zöllen aus, die der CO 2 -Belastung durch die eingeführten Produkte entsprechen.

Im Transportsektor wurde seit längerem diskutiert, auch den Schiffsverkehr in den Emissionshandel aufzunehmen.

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